"Und was machst du so nach dem Abitur?"
"Eine Ausbildung."
"Hier in Bremen?"
"Nein, in Egelsbach, so ein Dorf in Hessen."
"Hast du hier keinen Platz bekommen oder was treibt dich so in die Ferne?"
"Nein, ich hatte etwas aussergewöhnliche Wünsche, was meine Zukunft betrifft. Ich will Pilotin werden."
"Ja, aber die Lufthansa bildet doch in Bremen aus!"
"Ich werde Hubschrauberpilotin."
So in etwa klangen viele Gespräche, die ich mit Bekannten und Freunden nach meinem Abitur im Sommer 2008 führte.
Einen wunderschönen guten Tag,
ich bin Isis, 19 Jahre alt und lebe eigentlich das gewöhnliche, aber doch sehr abwechslungsreiche Leben eines jeden Studenten. Ich wohne alleine, habe ein begrenzetes monatliches Budget, geh gerne mit Freunden aus und fahre mit schmutziger Wäsche nach Hause. Der kleine aber feine Unterschied zwischen meinem Leben und dem eines Studenten ist wohl, dass meine Uni eine Schule ist und meine Studiengebühren ein wenig höher sind. Ich sitze nicht langweilig im Hörsaal und schaue minütlich auf die Uhr, stattdessen fliege ich meist fröhlich durch die Luft und lerne wie man nicht nur fröhlich, sondern auch noch professionell Helikopter fliegt.
In einer Flugschule in der Frau eindeutig einer Minderheit angehört, bin ich von Menschen aller Altersklassen umgeben. Schüler in meinem Alter, die genauso verwöhnt sind wie ich und die Ausbildung deswegen sponsored by Mapa machen, Schüler um die 25Jahre , die bereits ein Studium beendet haben, aber auch nur um im Notfall (finanzierte abgeschlossene Pilotenausbildung, aber keinen Job) nicht nur Schulden, sondern eventuell eine Chance auf einen Job in einer anderen Branche zu haben. Ihren Traum haben sie dennoch nie aus den Augen verloren und werden auch von der Bank Mapa finanziert. Dann begleiten mich noch Schüler zwischen 40 und 45 Jahren, die oftmals Firmeninhaber sind. Diese Menschen haben lange und hart gearbeitet, um sich ihren Traum erfüllen zu können und wissen was es heißt von ganz vorne anfangen zu müssen. Die Fliegerei ist es ihnen wert. Sie fahren mit einem Porsche zur Flugschule, währrend ich noch nicht einmal meinen Führerschein habe und deswegen meinem treuen Begleiter, der guten alten S-Bahn Fahrt für Fahrt dankbar bin zum Ziel gekommen zu sein. Fluglehrer, die über einen dieser drei Wege zum Ziel gelangt sind und somit nicht nur Fluglehrer, sondern auch Vorbilder und Ratgeber für uns sind. Ich habe sogar einen Lehrer, der die Etappe Fluglehrer schon lange hinter sich hat, er ist im Krieg mitgeflogen, hatte Lizenzen für sämtliche Luftfahrzeuge und folgt seiner Leidenschaft inzwischen mit 86 Jahren immernoch. Er darf zwar nicht mehr fliegen, aber er darf sein Wissen teilen und weitergeben an Schüler wie uns. Er unterrichtet hochmotiviert und fit Fächer wie Technik und Aerodynamik und lockert jede Unterrichtsstunde mit einer Anekdote aus seiner reichen Erfahrung auf.
In einem guten Mix aus Spaß und Ernst, Erfolg und Niederlage, einer Prise Stolz und einer Hand voll Fehlern aus denen man recht schnell lernt, habe ich nun vor zwei Monaten meinen Weg zu meinem Traumberuf eingeschlagen.
Nun bin ich über die Weihnachtstage zuhause und merke wie schön es ist bei meinen Liebsten zu sein und möchte doch nach Hause (also in mein anderes zuhause) und endlich wieder fliegen, ich kann es kaum erwarten mich wieder morgens aus dem Bett zu quälen, vollkommen verschlafen zur Flugschule zu kommen, kurz mit den Technikern zu quasseln und bei einer Dose Red Bull wach zu werden, schließlich verleiht Red Bull mir Rotorblätter! Vorflugkontrolle, tanken, anlassen und so lange es geht fliegen! Beweisen, dass auch eine junge Frau das Können hat eine gute Pilotin zu werden und den Ausblick und das Gefühl genießen vollkommen losgelöst zu sein.
Ich hätte mal früher mit dem Blog anfangen sollen, die schönste Zeit meines Lebens auf wenige Zeilen zu komprimieren ist nur noch halb so schön...
Liebe Grüße aus Bremen,
Isis
Sonntag, 28. Dezember 2008
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